Liebe ist …

 

Liebe und BeziehungLiebe sei, so sagt man, die stärkste Kraft im Universum. Sie ist die fundamentale Energie im Schöpfungsprozess. Sie hält alles am Leben, mit ihr lässt sich alles realisieren. Die Liebe ist „Göttlichen Ursprungs“. Sie ist die höchste und reinste aller Energien – und somit über jeden Zweifel erhaben. Eng verbunden mit ihr, findet der Mensch sein persönliches Glück, seinen inneren Frieden und seine persönliche Glückseligkeit. So sagt man, so glaubt man.

Für die meisten Menschen auf diesem Planeten ist die Liebe eines der zentralen Themen in ihrem Leben. Sie streben danach sie zu erreichen, sie zu leben und in sie einzutauchen. Sei es aus einer tiefen spirituell-religiösen Betrachtungsweise heraus oder aus sozialen oder zwischenmenschlichen Beweggründen, um daraus ein qualitativ hochwertiges Leben zu kreieren, in der Hoffnung, dadurch ihr persönliches Glück und die Liebe ihres Lebens zu finden.

Auch in der Wirtschaft hat das Produkt Liebe eine hohe Attraktivität mit garantierten jährlichen Zuwachsraten. Ganz egal, ob Literatur, New Age, Esoterik, Film, Musik, Fernsehen oder Internet: Das Geschäft boomt. Und der angepasste Gesellschaftssoldat gibt sich auch wirklich Mühe, den von Religionen, Wirtschaft und Medien suggerierten Idealen bezüglich Liebe und Glück zu folgen.

An irgend einem Punkt im Leben fragte ich mich:

  • Warum kann die Liebe, wo sie mir doch so wunderbar gut tut, gleichzeitig so weh tun?
  • Weshalb falle ich bei der Partnersuche wieder und wieder auf den „Falschen“ herein?
  • Wieso kann die Liebe nicht meine Ehe oder meine Beziehung zusammenhalten, wenn sie doch die stärkste Kraft im Universum ist?
  • Warum bekriegen sich Eltern und Kinder, wenn doch die Liebe das mächtigste und grösste Geschenk Gottes ist?
  • Wie kann meine einst so tiefe Liebe zu einem Menschen, die mich so stark und lebendig machte, die mir so viel Lebensfreude und Glück bescherte, so plötzlich erlöschen, und mir alle Freude und Kraft rauben?
  • Wann, wie und warum habe ich mich entliebt?
  • Was ist dran an der klassischen Liebe, mit ihren Werten wie Selbstlosigkeit, Treue, Fürsorge, Geborgenheit, Hingabe, Ehrlichkeit, Leidenschaft und Zärtlichkeit?

Die Liebe ist doch nach der Auffassung vieler Zeitgenossen göttlichen Ursprungs, und gilt als die grösste und mächtigste Energie im Universum.

Wenn dem so ist, dann müsste sich bei jenen Menschen, die das Prinzip der reinen Liebe, der Nächstenliebe, der selbstlosen und wertfreien Liebe nach bestem Wissen und Gewissen leben, das Dasein doch signifikant erfolgreicher gestalten, als bei jenen, die dieses Prinzip nur oberflächlich bis gar nicht leben.
Sowohl in punkto Gesundheit und Partner-Kindbeziehung, als auch in punkto berufliche Karriere und materiellem Reichtum. Sozusagen als göttlich-liebende Belohnung für gutes Benehmen.

Tatsache jedoch ist, dass sich die „lieben“ Menschen mit ihrer Einstellung und ihrem Verhalten weder in Gesundheit, Beziehung und Familie, noch in den Bereichen Beruf, Karriere und materieller Reichtum erkennbar mehr Vorteile herausarbeiten. Vielmehr hat es meinem subjektiven Empfinden nach den Anschein, dass sich die „weniger lieben“ Menschen mit ihrem Verhalten mehr Vorteile im Leben herausarbeiten.

EnzugfrauDas echt Tragische an der ganzen Sache jedoch ist, dass der traditionelle Begriff Liebe, so wie er von den meisten Menschen inhaltlich definiert und gelebt wird, vielfach furchtbare Auswirkungen auf das Leben eines Menschen oder einer Familie hat.
Denn was im „Namen der Liebe“ unter dem Strich oft übrig bleibt, liest sich wie das „Who is Who“ eines üblen Alptraums: Leid und Hass, Schuldgefühle und Orientierungslosigkeit, kaputte Beziehungen und Kinderleid, Enttäuschungen, Frust und Verzicht, Opferdasein, Krankheit, Manipulation, finanzieller Ruin und Erpressung. Die so Geschädigten mutieren daraufhin in Massen zu wunderbar „fettem Vieh“ für die Bedürfnis(aus)schlachthöfe der Werbung, Wirtschaft und Industrie.

Wer sich näher mit dem Thema „Liebe“ auseinandersetzt, stellt rasch fest, dass der Bestand an einheitlichen Meinungen zur Liebe rasch erschöpft ist. So gibt es auch keine weltweit akzeptierte Definition von Liebe.

EnzugmannIrgendwann entstanden Gedanken in meinem Gehirn, die mich anfänglich gelinde gesagt zutiefst erschreckten und sogleich an meinen gesellschaftlichen Konditionierungen zu sägen begannen. Es waren keine lieben und guten Gedanken.
Oh nein, sie waren eher blasphemischer Natur. Zuckersüss im Geschmack und charmant eingehüllt in Höllenfeuer und Schwefeldämpfe, kontaminierten sie gemächlich das Zentralnervensystem meines Gehirns und formten die Fragen:
• Was, wenn es die Liebe, so wie sie in der Vorstellung der Allgemeinheit existiert, gar nicht gibt, wenn sie die Mutter aller Illusionen ist?
• Was wird dann aus der allgemeinen Vorstellung von Nächstenliebe, selbstloser und wertfreier Liebe?
• Und was ist mit der allumfassenden Liebe Gottes? Kann ich mich hier auf die Aussagen der religiösen und spirituellen Meinungsbildner verlassen – oder hat mich hier gar die Grossmutter aller Illusionen fest im Griff?

Erich Fromm, (1900–1980), deutsch-amerikanischer Psychoanalytiker, Philosoph und Sozialpsychologe, formulierte das Problem mit der Liebe in seinem Klassiker „Die Kunst des Liebens“ folgendermassen:

„Es gibt kaum ein Unterfangen, das mit so ungeheuren Hoffnungen und Erwartungen begonnen wird und das mit einer solchen Regelmässigkeit fehlschlägt wie die Liebe. Wäre das auf irgendeinem anderen Gebiet der Fall, so würde man alles daran setzen, die Gründe für den Fehlschlag herauszufinden und in Erfahrung zu bringen, wie man es besser machen könnte – oder man würde es aufgeben. Da Letzteres im Falle der Liebe unmöglich ist, scheint es doch nur einen richtigen Weg zu geben, um ein Scheitern zu vermeiden: Die Ursachen für dieses Scheitern herauszufinden und ausserdem zu untersuchen, was Liebe eigentlich bedeutet“.

Dann mach ich mich mal auf den Weg Herr Fromm und untersuche ganz pragmatisch die Liebe ……

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